TAUCHPARADIES KROATIEN
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ein stummer Zeuge aus dem 2. Weltkrieg

von Claudia Weber-Gebert          

Das bin ich – geboren 1965 in Trier, Deutschland – Abitur + Innenarchitektur Studium. Seit meinem Abschluß als Diplom Desiger 1990 habe ich mein eigenes Büro und arbeite als freier Mitarbeiter für verschiedene Planugsbüros. Für meine Kunden suche ich individuelle Lösungen und mache das Unmögliche möglich.

 

Unterwasserfotografie:

Als Interiour designer mit den Hobbies Tauchen und Fotografie war es irgendwie unvermeidbar, mit Unterwasser-Fotografie anzufangen. Und so wurde es 2010 meine Passion.

Als Botschafter der Meere haben alle Unterwasser-Fotografen die Aufgabe, den Zauber der wundervollen Unterwasserwelt zu vermitteln und die Menschen dazu zu bringen, diese zu schützen.

Seit 2014 schreibe ich Foto-Artikel für deutsche und internationale Tauch- und Unterwasser-Zeitschriften und halte Vorträge. 

Ende September 2014 wurde dieser Bomber zufällig während eines Harpunier-Wettbewerbs vor der kroatischen Insel Zirje gefunden.

Der bedeutende Fund hatte im damals Aufsehen erregt, da nur wenige der insgesamt 5752 in Deutschland produzierten Bomber überhaupt noch vorhanden sind.

Das Wrack ist erstaunlich gut erhalten, man sagt sogar, es sei der weltweit am besten erhaltene Stuka Bomber. Der Motor lag in einer anderen Bucht, wahrscheinlich vom Aufprall auf die Meeresoberfläche weg geschleudert, oder mit Fischernetzen verschleppt. Sonst steht der Flieger fast vollkommen intakt auf den Rädern am Meeresboden in einer Tiefe von ca. 28m, wie nach einer sanften Landung.

Die Begeisterung bei allen Tauchern war groß, doch zunächst wurde die Stelle für Taucher gesperrt und das Wrack unter Denkmalschutz gestellt.Experten vom Militärmuseum des kroatischen Verteidigungsministeriums konnten das Flugzeug sehr schnell als italienischen Sturzkamfpbomber, oder kurz "Stuka" , Junkers JU87R-2 identifizieren, wie aus 2 Artikeln vom 25.09.14 und 06.10.2014 hervorgeht.

Weltweit sind außer diesem nur noch 3 dieser Stukas einigermaßen erhalten und stehen im Museum of Science and Industry in Chicagoim Royal Air Force Museum Hendon in London und im Auto & Technik Museum Sinsheim ausgestellt. Weitere 2 Exemplare wurden in Norwegen und Griechenland vom Meeresboden geborgen. Beide sind allerdings in weitaus schlechterem Zustand, als die vor Zirje gefundenen Maschine.


Was war damals passiert?

Anfang April 1941 wurde Jugoslawien innerhalb weniger Tage im Zuge des Balkanfeldzugs erobert und besetzt. Bei diesem Blitzkrieg kamen die Deutschen Truppen und Panzerverbände den italienischen Verbündeten unter Mussolini zur Hilfe. Das eigentliche Ziel der Italiener war damals Griechenland – der Weg dort hin führte über Jugoslawien.

Laut den Artikeln des Kroatischen Verteidigungsministeriums sind in der Literatur Informationen über den Angriff von 3 italienischen Stuka-Bombern JU87R (239. Squadriglia, 97 Gruppo Bombardamento a tuffo) zu finden. Diese Bomber flogen am 12. April 1941 Angriffe auf 2 Jugoslawische Kriegs- bzw. Marineschiffe, die in den Buchten vor Jadrovac in der Nähe von Sibenik Stellung bezogen hatten. Zwei der Stukas wurden abgeschossen, einer davon wurde zerstört und die Piloten kamen ums Leben. Der zweite Stuka Bomber war durch Beschädigung gezwungen, auf dem Wasser zu "landen"  und steht seitdem dort auf dem Meeresboden.Was mit den Piloten geschehen ist, kann niemand genau sagen. Die Kuppel über dem Cockpit fehlt und es wurden keine menschlichen Überreste gefunden. Vermutlich konnten sich die Piloten noch retten.

(Quellen: http://vojnapovijest.vecernji.hr; Übersetzung Rudi Hess, Bougainville Diving, Biograd)

 

Tauchen erlaubt!

Zunächst war das Wrack für die Öffentlichkeit gesperrt. Experten haben die Maschine untersucht und einige Teile, die als beliebte Sammlerstücke gelten, sind ausgebaut und konserviert worden. So ist zum Beispiel das typische MG15 Maschinengewehr aus dem hinteren Cockpit entnommen worden und auch das Steuerhorn wurde ausgebaut. Pläne, das Flugzeugwrack zu bergen, zu konservieren und ebenfalls auszustellen sind offensichtlich aufgegeben worden. Die JU87R-2 ist jedoch als kulturelles Erbe deklariert worden und steht unter Denkmalschutz.

Seit Ende April 2015 darf der Bomber betaucht werden. Hierzu können Tauchbasen eine Lizenz erwerben und dann mit ihren Tauchern zum Wrack fahren. Allerdings muss immer eine Person der Tauchbasis mit abtauchen und aufpassen, dass niemand etwas beschädigt oder abmontiert.

Die Tauchtiefe beträgt ca. 28 m. Der Stuka Bomber steht auf sandigem Untergrund im Poseidongras. Der Motor ist mittlerweile zum Wrack transportiert worden und liegt nur ein paar Meter entfernt. Beim abtauchen ist die JU87 schon ab etwa 10 m Tiefe deutlich zu erkennen.

Die Stelle ist an der Meeresoberfläche nur mit Plastikflaschen an Nylonschnüren unauffällig markiert, so dass sie nicht gleich von jedem gefunden werden kann.  Taucher sollten unbedingt den Kontakt mit dem Wrack vermeiden – also Hände und Flossen weg! Wenn Gefahr droht, dass das Wrack zu sehr durch Taucher beschädigt wird, werden die kroatischen Behörden die Konsequenzen ziehen und das Wrack wieder für den Unterwasser-Sport sperren. Es gibt zwar noch weitere schöne Flugzeug-Wracks in der Adria, diese liegen aber in 70 m Tiefe und mehr und sind für Hobby-Taucher nicht einfach erreichbar.

 

Technische Daten

 JU 87R-2:

  • Ganzmetall bauweise
  • Baustoff: Duraluminium
  • Behäutung: Glattblechbauweise
  • Besatzung: 2
  • Motor: Kolbenmotor Jumo 211D, Nennleistung 950 PS und 1200PS beim Start
  • Flügelspannweite: 13,8m
  • Tragflügelfläche: 31,9 m²
  • Länge: 11,1 m
  • Höhe (am Boden): 4,01m
  • Leergewicht: 1.185 kg
  • Maximales Abfluggewicht: 4.390 kg
  • Höchstgeschwindigkeit im Horizontalflug: 383 km/h
  • höchste Sturzgeschwindigkeit: 650 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 8100m
  • Reichweite (unbeladen): 1252 km
  • Bewaffnung: 500 kg Bomben oder eine 250 kg Bombe und 2 Tragflächentanks mit 600 Litern Treibstoff
  • Kleinwaffen: 2 feste Maschinengewehre MG17 7.9 mm in den Tragfläche, 1 bewegliches MG15 7.9 mm im hinteren Cockpit.

Die Sturzkampfbomber des Herstellers Junkers Flugzeugwerk AG JU 87R-2 wurden von 1937 bis 1944 in Deutschland in verschiedenen Typen gebaut, insgesamt 5752 Stück.

Als einmotoriger Tiefdecker mit Knickflügeln, starrem Fahrgestell und 2 Mann Besatzung wurden die Maschinen von der deutschen Luftwaffe als präzise Waffen eingesetzt. Im Sturzflug konnten Bomben punktgenau abgeworfen werden und die anvisierten Ziele zerstört werden. Daher kommt auch der Name Sturzkampfbomber oder kurz "Stuka" . Obwohl die Stuka-Bomber erhebliche Schwächen hatten, waren sie die erfolgreichsten Luftkampfgeräte des 2. Weltkriegs. Beim Neuhammer Stuka-Unglück stürzten bei einer Flugvorstellung am 15. August 1939 13 Stuka aus zu geringer Höhe ab.

Da die "Erfolgsquote" bei Bombenabwürfen jedoch viel größer und präziser war, als bei anderen Bombern, wurden die Stukas im 2. Weltkrieg von der deutschen Luftwaffe und den Verbündeten immer wieder für Luftangriffe eingesetzt. Das Prinzip der eigentlich langsamen Stukas war folgendes: in großer Höhe bis ans Ziel fliegen, im schnellen Sturzflug über dem Ziel die Bomben abwerfen und dann möglichst schnell wieder das Ziel verlassen. Der Heckschütze hatte dabei die Aufgabe, von hinten sich nähernde Angreifer mit einem MG abzuwehren.

K.H. Eichhorn, 1943 geboren, von 1962 bis 1976 bei der deutschen Luftwaffe, schreibt in seinem online-Flugzeug-Archiv folgendes zur Sturzflug-Technik der Stukas:

"Wichtig war eine automatische Sturzflugkontrolle, bei der die Maschine im vorprogrammierten Abstand zum Boden in den Horizontalflug überging. Dazu hatte der Pilot zuerst zehn lebenswichtige Handgriffe auszuführen, um den Sturzflug zu programmieren. Danach musste er eine der in verschiedenen Winkelgraden auf die Cockpitkuppel gemalten roten Linien in eine Linie mit dem Horizont bringen und darauf sein Ziel manuell wie bei einem Jagdflugzeug anpeilen, wozu er nur die Querruder benutzte. Der Sturzflugwinkel betrug sehr oft exakt 90 Grad und begann mit einem Rollmanöver über eine der Tragflächen direkt senkrecht über dem anvisierten Ziel. Seltsamerweise hatte man in der Junkers nicht wie bei vielen anderen Maschinen das Gefühl, mit 90 Grad die Senkrechte schon überschritten zu haben. Überhaupt zeigte die Ju-87 im Sturzflug ein wesentlich besseres Verhalten als im normalen Horizontalflug, bei dem sie - besonders noch durch die weit nach unten gezogene gläserne Cockpitkuppel - so verwundbar war. Sobald im Höhenmesser die Signallampe aufleuchtete, drückte der Pilot einen Knopf auf der Steuersäule und leitete damit - normalerweise in einer Höhe von 450 m - den Abbruch des Sturzfluges ein. Im Falle eines Versagens dieser Automatik musste der Pilot alle Kräfte zusammennehmen, um die Maschine in die Gerade zu ziehen und dabei sehr vorsichtig die Trimmklappen der Höhenruder einsetzen, damit er das Manöver durchführen konnte." (Quelle www.kheichhorn.de)Das Model JU87 wurde in 6 verschiedenen Typen gebaut. Der Zusatz "R" steht bei dem in Kroatien gefundenen Modell für Reichweite: unter den Flügeln waren zusätzliche Tanks für doppelte Reichweite angebracht. Dies war für Einsätze im Mittelmeerraum und über dem Ärmelkanal notwendig.

 Die meisten Maschinen waren zusätzlich mit einem sogenannten "Jericho Horn" ausgestattet, welches das typische Sirenengeräusch der Stukas produzierte. Es hatten einen psychologischen Effekt: die Menschen in den Zielgebieten sollten in Angst und Schrecken versetzt werden. Diese Sirenen wurden angetrieben von kleinen Propellern an den Fahrwerken beim sehr schnellen und steilen Sturzflug. Der eindringliche Sound wird übrigens auch heute noch gerne in Action-Filmen verwendet, wenn Flugzeuge abstürzen.