TAUCHPARADIES KROATIEN
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© by Franz Mittermayer

Rammkreuzer Kaiser Franz Josef I

Text by Franz Mittermayer

Der Entwurf der Torpedorammkreuzer SMS KAISER FRANZ JOSEF I., und des Schwesterschiffes SMS KAISERIN ELISABETH, erfolgte nach dem französischem Konzept der „jeune `ecole“, der Küstenverteidigung mit billigen Waffensystemen.

Diese Lösung wurde von der K.u.K.. Kriegsmarine deswegen favorisiert, da zu jener Zeit eine schlechte Budgetlage vorlag, die durch die Weltwirtschaftskrise nach dem Börsenkrach von 1871 verschärft wurde.

Dieses Sparkonzept endete noch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und die Kritiker der Torpedorammkreuzer nannten diese abschätzig „Sternecks Sardinenbüchsen“. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts begann das Zeitalter der „Dreadnoughts“.

Das Schiff wurde am 03.01.1888 in der Werft San Rocco/Triest auf Kiel gelegt. Am 18.05.1889, um 11.30 Uhr taufte die Erzherzogin Maria Josepha, die Mutter des späteren Kaiser Karl I., das Schiff auf den Namen KAISER FRANZ JOSEF I.

Die Indienststellung erfolgte am 02.07.1890.

1891, anlässlich eines Manövers bei der Insel Lissa, inspizierte Kaiser Franz Josef I, das nach ihm benannte Schiff.

1892 nahm es in Genua an der 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus teil.

Es folgten regelmäßige Teilnahmen an verschiedenen Übungen, Manövern und Auslandsreisen.

1897 führte es ein Missionsreise nach Ostasien durch. Der Kreuzer brachte den Freiherrn Czikann von Wahlborn als neuen k.u.k. Gesandten an den Pekinger Hof.

1905 erlebte das Schiff größere Umbauten. Es wurden unter anderen die 24 cm Krupp-Geschütze gegen modernere 15 cm Skodageschütze ausgetauscht und die 4 15 cm Batteriegeschütze wurden ins Oberdeck verlegt.

Im Herbst fuhr es nach China und übernahm von der heimkehrenden KAISERIN ELISABETH die Agenden des Stationsschiffes. Dabei erlitt es auf Höhe von Saigon in einem Taifun Beschädigungen. Der Kreuzer blieb bis 1908 in Fernost. Es war für das Schiff und die Besatzung eine ereignisreiche Zeit. Die Mannschaft stellte die Konsularwache des k.u.k. Generalkonsulates in Schanghai und löste das Wachdetachement in Peking ab. 2 Yangtse-Krokodile für den Tiergarten Schönbrunn wurden an Bord genommen. 

Es erfolgten Audienzen des Kommandanten bei den Vizekönigen Tchou und Tschang-Tschi-tung sowie beim König von Siam Phra Paramindra Maha Chulalongkorn. Nebstbei wurden Insassen bei in Stürmen gekenterter Sampans und eines japanischen Lastbootes geborgen. Bei einem Brand auf dem japanischen Dampfer Nagaba Maru in Chefoo wurde Löschhilfe geleistet. Der Kommandant wurde in Yokohama an die kaiserliche Hoftafel in den Shiba Rikiju Palast sowie zur Audienz zum Kaiser von Korea geladen. Zwischenzeitlich wurden Übungen sowie notwendige Reparatur- und Wartungsarbeiten am Schiff durchgeführt.

Am 16.12.1908 lief der Kreuzer wieder in Pola ein. 1909 und in der ersten Hälfte von 1910 standen wieder Manöver und Übungsfahrten mit Marineakademiezöglingen auf dem Programm.

Im September lief KAISER FRANZ JOSEF I. wieder mit Ziel Ostasien aus. Im Roten Meer wird ein Heizerschüler vermisst, der offenbar über Bord gefallen war. In Colombo desertierten 3 Mann der Besatzung. Mannschaftswechswel des Wachdetachements in Peking. Teilnahme an einem militärischen internationalen Demonstrationsmarsch bei Ausbruch von Unruhen. Ein Unteroffizier des Kreuzers ersticht einen chinesischen Polizisten. In Hongkong desertieren wieder 4 Mann. Eine Mannschaftsabordnung nimmt an der Leichenfeier des verstorbenen Kommandanten des deutschen Ostasiengeschwaders Konteradmiral Erich Gühler teil. Am 14.10.1911 wurde das Schiff wegen eines Aufstandes nach Schanghai gerufen. 100 Mann und 2 Geschütze wurden gelandet. Heftige Kämpfe zwischen den Aufständischen und loyalen Truppen.

1912 kam es in Peking abermals zu Unruhen. Der Kommandant und 4 Stabsoffiziere nehmen an den Begräbnisfeierlichkeiten des Kaisers von Japan Tai Sho Tenno teil.

1913 beteiligte sich die Löschabteilung des Kriegsschiffes bei der Brandbekämpfung eines Großbrandes in Shanghai. Im Juli brechen wieder Kämpfe in Südchina aus, die erst Mitte August mit der Übergabe der Woosung –Forts beendet werden. Am 15.12.1913 läuft der Kreuzer in Pola ein.

1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges befindet sich der Kreuzer in der Bucht von Cattaro und nimmt an der Beschießung der montenegrinischen Artilleriestellungen am Krstac teil. Das Schiff erhielt am 27.08.1914 einen 15 cm Treffer aufs Deck, der zum Glück ohne Folgen blieb. Für Kampfeinsätze bereits veraltet, verbleibt der Kreuzer in der Bucht.

Bei der Matrosenmeuterei vom 01. bis 03. Februar 1918 verhielt sich die Besatzung des Kreuzers neutral.

Im letzten Kriegsjahr wurde die Bewaffnung reduziert. Es wurden die 15 cm L/35 und die 47 mm L/44 Geschütze sowie das Ballonabwehr-MG ausgeschifft. KAISER FRANZ JOSEF diente für den Rest des Krieges nur mehr als Wohnschiff.

Nach Kriegsende wurde es unter französischer Aufsicht als Depot für Munition verwendet. Aus Sicherheitsgründen wurde das Schiff in der Bucht von Zanjica abseits der Ortschaften verankert.

Am 17.10.1919 riss sich der alte Kreuzer bei schwerem Sturm los und trieb bis vor die Halbinsel Prevlaka. Es drang Seewasser in die offen stehenden Bullaugen und das Schiff sank. Personen kamen nicht zu Schaden

Bereits 1922 erwarb der holländische Schiffsmakler van Wienen die Konzession für die Bergung des Schiffes. Es wurde diverses Material wie Kräne etc geborgen. Die Hebung des gesamten Schiffes gelingt wegen unzureichender Bergungsmittel nicht.

Die jugoslawische Bergungsfirma BRODASPAS birgt im Jahre 1967 die noch am Wrack vorhandenen Hauptgeschütztürme.

Die Geschütze wurden in Cetinje der alten Montenegrinischen Königsstadt aufgestellt.

©Bildmaterial u- Text by Franz Mittermayer


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