TAUCHPARADIES KROATIEN
40/126

JAKLJAN - Expeditionstagebuch

Das Mysterium und die Tragödie der JAKLJAN wurden endlich geklärt.


Persönlich Anmerkung: Verzeiht mit bitte die vermutlich unvollständige Übersetzung des Expeditionstagebuch. Hier kann das Original des Verfassers (in kroatischer Sprache) nachlesen werden.

Die Story wurde übernommen von:

JANUAR - In meiner langjährigen Besessenheit mit der Suche nach Wrackteilen, ist es mir nur einmal passiert, dass wir nach einem Wrack suchten und ganz unerwartet ein anderes Wrack fanden.

Es war während der Suche nach dem Wrack des deutschen Transportschiffs KAPITAEN DIEDRICHSEN (Ex-SEBASTIANO VENIER II) in der Nähe von Premuda, als wir das italienische Dampfschiff PASCOLI (Ex-SZEGED) in der angenommenen Position fanden. 

In der letzten Sommersaison hatten wir unerwartet Glück und wir konnten innerhalb eines Monats die Geheimnisse zweier Wracks lösen. Die des italienischen Dampfers REGOLO, den wir im Velebit-Kanal in der Nähe von Senj suchten, und des kleinen Dampfers JAKLJAN, nicht weit von Mali Luka auf Krk, direkt gegenüber Senj.

Unser Tauchteam, bestehend aus: Grega Verč, Gabriel Hrovat, Marino Brzac, Miro Baričić, Zdravko Vulinović und Ranko und Danijel Frka vom ADRIA Kraljevica Underwater Activities Club, ist seit vielen Jahren am Projekt "Wreck Mapping im Promorje-Gorski Kotar County" beteiligt. 

Ziel des Projekts ist es, den Zustand von versunkener Schiffe zu erfassen und zu überwachen, um ein frühzeitiges Auslaufen von Kraftstoff- und Schmierstoffresten aus dem Tank zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um eine Verschmutzung des Meeres und der Küste zu verhindern.

So hat unser Tauchteam in der vergangenen Tauchsaison zwei versunkene Schiffe (U-Boote) gefunden und dem kroatischen Wiederherstellungsinstitut (HRZ) gemeldet. Wracks die wir beim Durchsuchen des Velebit-Kanals gefunden haben, schreibt Daniel Frka für das Gorgoni-Portal.

Es ist interessant, dass beide Schiffe Opfer des legendären Senj-Sturms wurden, der in diesem Teil der Nordadria mit Hurrikangewalt weht.

Wir haben jahrelang nach dem Wrack des Frachtschiffs REGOLO gesucht. Basierend auf Archivdaten und einigen Aufzeichnungen von Fischern wurden im Zeitraum 2011-2013 zwei erfolglose Expeditionen organisiert. Wir haben dabei das gesamte Gebiet entlang der Ostküste der Insel Krk von Mala Luka im Norden bis zum Kap Glavina bei Vrbnik abgesucht. Erst kürzlich, als wir neue Informationen von Fischern erhielten, konnten wir unsere Suche auf das Gebiet beschränken, in dem wir endlich das Wrack der REGOLO gefunden haben.

Verantwortlich für das Auffinden des Wracks war vor allem die moderne Meeresboden-Sondiertechnologie. Ein neues Sonar, das wir im vergangenen Sommer erworben und in unsere Boote eingebaut haben. Es ist nicht nur hochempfindlich, sondern zeichnet mit unglaublicher Präzision die Konturen des Bodens und aller Objekte die sich am Meeresboden befinden, ab. So können sofort die richtigen Formen des Rumpfes, des Aufbaus und sogar des Mastes erkannt werden und die Sonardaten geben ein ziemlich klares Bild der Position des Wracks.

In Vorbereitung auf den bevorstehenden Tauchgang und um das REGOLA-Wrack in 66 Metern Tiefe zu identifizieren, machte sich unser Freund und Teammitglied Greg Verch an einem ruhigen Julitag mit seinem Beiboot auf den Weg, um die REGOLO erneut mit dem neuen Sonar aufzunehmen. Er konnte das Wrack der REGOLA orten und machte dabei genügend gute Sonaraufnahmen bevor es anschließend zurück nach Punat fuhr. Greg ließ bei der Rückfahrt das Sonar eingeschalten, um seine Zeit auf dem Weg nach Punta zu verkürzen. Intuitiv ahnte er, dass Überraschungen immer passieren konnten. Und so kam es!

Während der Fahrt entlang der Küste von Krk von Mala Luka zum Kap Sokol tauchte plötzlich ein regelmäßiges Objekt am Boden auf. Da er glaubte, dass es sich wahrscheinlich um einen Stein handelte und nicht um ein Wrack, machte er noch ein paar Überfahrten aus verschiedenen Richtungen. In einer Tiefe von 40 bis 48 Meter tauchte immer dasselbe rätselhafte, quadratische, längliche Objekt auf. Es war zweifellos etwas,  das die Natur so nicht geschaffen hatte.

Greg schloss daraus, dass dies wahrscheinlich ein Schiffswrack sei und war erfreut, uns von seiner Entdeckung zu informieren. Beim Eruieren des Schiffstyps dachte ich, dass es sich um einen deutschen (rechtshändigen ?) Tanker oder um ein ähnliches Schiff aus dem Zweiten Weltkrieg handeln könnte. Ich wusste, dass es Berichte über Angriffe alliierter Flugzeuge gab und mehrere ähnlicher Schiffe im Velebit-Kanal untergingen. In den Archivdaten konnte ich jedoch nichts genaueres finden.

Bereits nach wenigen Tagen organisierten wir eine kleine Expedition, um herauszufinden was Greg gefunden hatte. An diesem schönen sonnigen Tag des 20. Juli tauchten wir: Greg, Gabriel und ich, an der vermuteten Unglücksstelle, in das klare, dunkelblaue Meer vor der Küste der Insel KRK ab. Die Sicht war ausgezeichnet und wir tauchten entlang des Bojenseiles (am Vortag gelegt) ab. Plötzlich tauchten einige große Teile des Wracks unter mir auf, ein seltsames Rohr ragte zur Oberfläche und dann der Rumpf! Schon bald konnte ich deutlich unter mir das Heck mit einer runden Plattform sehen.

Es war eine italienische 20-mm-Flugabwehrkanone von Breda, die häufig auf italienischen- und deutschen Schiffen eingesetzt wurde, um als Begleitschiff andere Schiffe vor den alliierten Bombern und Jägern, die 1944 täglich in dieser Gegend patrouillierten, zu schützen. Was wir gefunden haben war somit ein Kriegsschiff oder wahrscheinlicher - ein bewaffnetes Transportschiff!

Unglaublich! Von unserem Fund verzaubert, glitten wir alle drei über das Heck und den kleinen Überbau, auf dem einst das Steuerhaus stand. Wir konnten deutlich die Treppe sehen, die vom Deck zum Aufbau führte. Den schmalen und hohen Schornstein und den eingestürzten Mast, der zum Heck hin abfiel. Auf der Steuerbordseite zeigte ein nach außen gerichtetes Rettungsboot an, dass die Besatzung versucht hatte, sich selbst zu retten.

Über Deck schwebend stießen wir auf offene Lagerräume, deren Luken landeinwärts fielen, als sich das Metalldeck löste (wahrscheinlich aufgrund von Alter und Korrosion). In den Lagerräumen befand sich eine Ladung weißen Materials, von dem wir nicht wussten was es war, obwohl wir dachten, es handele sich um Kalk oder vielleicht sogar um Mehl oder Weizen. Wie auch immer, als ich meine Hand in diese Substanz schob, ging sie wie durch Puder hindurch. Es waren auch die Überreste von Säcken zu sehen, in denen diese Substanz anscheinend verpackt waren. Wir schwammen auf den Bug zu und zählten insgesamt vier Lagerräume. Dabei stießen wir auf einen Mast, der umgebrochen war und am Bug lag.

Am Bug befindet sich eine weitere erhöhte Plattform mit einer Flugabwehrkanone, die der am Heck glich. Neben dieser stehen deutsche Helme Panzerplatten und Munition für die Kanonen.

Der rechte Anker wurde abgeworfen, ein Zeichen dafür dass das Schiff ankern versuchte. Die Ankerkette ging vermutlich im Sand vor dem Schiff verloren. Der linke Anker befindet sich nach wie vor an seinem Platz, jedoch nicht in seiner Halterung, er wurde  leicht gelöst. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Besatzung einen weiteren Anker werfen wollte.

Als wir zum Heck zurückkehrten, schauten wir in den kleinen Überbau. Durch die halboffene Tür erkannten wir nur die Küche und die verschiedenen noch vorhandenen Töpfe. Wir mussten den Tauchgang beenden um die vorgeschriebene Dekozeit von fünfzehn Minuten einzuhalten. Beim Auftauchen  dachte ich ständig darüber nach, was für ein mysteriöses Schiff dies sei, aber mir fiel keine schlüssige Lösung ein.

 

Natürlich stellten wir fest, dass es sich tatsächlich um ein Transportschiff aus Eisen handelte, das in einer Tiefe von 39 bis 42 m und etwa 200 m von der Küste der Insel KRK entfernt liegt. Das Schiff befindet sich in aufrechter Position und in Richtung senkrecht zum Ufer, d.h. achtern in Richtung der Küste der Insel Krk, der Bug zeigte ungefähr in Richtung Bunica-Campingplatz an Land.

Während der nächsten beiden Tauchgänge, die im August stattfanden, wurde das Wrack von allen Seiten inspiziert, es konnten  jedoch keine Kriegsschäden festgestellt werden. Die einzige  Ausnahme waren Schäden am Heck des Schiffes, was zumindest darauf hinweist, dass das Schiff nicht unter dem Krieg gelitten hatte. Wir konnten leider keine Hinweise auf die Identität des Schiffes finden. Abgesehen von der Tatsache, dass das Wrack in ziemlich gutem Zustand ist, gibt es fast keine Überreste von Fischernetzen und Langleinen.

Als ich nach Hause zurückkehrte, begann ich sofort zu recherchieren, fand aber keine konkreten Spuren in den deutschen Kriegstagebüchern und in den Listen der Transportschiffe, die die Herkunft des Schiffes und seiner Besatzung anzeigen würden.

Natürlich wurde die Nachricht von unserem Fund in Taucherkreisen schnell verbreitet. Unerwartete Hilfe kam durch unseren Freund Hinko Car, Besitzer des renommierten Tauchzentrums Mihurić aus Selce, der mich auf ein Internetforum in Rijeka verwies. In diesem Forum wurde erwähnte, dass sein Großvater bei einem Schiffswrack in der Nähe der Insel Zec bei Senj ums Leben gekommen war. Das Opfer war Danijel Marunic aus Kostrena. 

Ich habe mich bald mit dieser Familie in Verbindung gesetzt und tatsächlich - sie haben bestätigt, dass Danijel Marunic Maschinist auf dem Schiff war, das 1943-44 im Velebit-Kanal gesunken ist. Angeblich in der Nähe der besagten Kanincheninsel. Da diese Inseln nur wenige hundert Meter von der Position des mysteriösen Wracks entfernt sind, bestand die Möglichkeit, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Nach einigem Suchen nach Familienerinnerungen kamen sie schließlich auf den Namen des Schiffes - das Schiff hieß JAKLJAN!

Ab diesem Zeitpunkt war die Suche um vieles einfacher. Wir fanden fast alles über die JAKLJAN. Sogar ein altes Foto von Schiff, anhand dessen wir unser Wrack eindeutig identifizieren konnten.

 

Die von uns durchgeführten Archivrecherchen haben zu folgenden Ergebnissen geführt: 

  • Es handelt sich um ein ADRIA-Frachtschiff (ex-JAKLJAN), das 1924 in Triest als 40m lange, 7,9m breite und 3,3m hohe Dubrovnik-Dampfschiff gebaut wurde. 
  • Dieses Schiff sank 1944 in einem starken Sturm bei Mali Luka auf der Insel Krk. 
  • Das Schiff fuhr zwischen den beiden Kriegen im Auftrag der Dubrovnik Navigation und wurde im Krieg für Kriegszwecke beschlagnahmt.

Das Sammeln detaillierterer Informationen ergab die folgenden Ergebnisse (des renommierte Historiker Dr. Zvonimir Freivogel. Dieser gab uns die Informationen, die er über das ADRIA / JAKLJAN-Schiff sammelte).

  • ADRIA (ex-Jakljan) Frachtdampfer (maona)
  • 272 BRT / 173 (192) NRT / 500 dwt;
  • 41,1 m - 7,9 m - 3,3 m; Tiefgang 3 m;
  • 1 Motor. / 80 PS / 4 kn / 1 Schraube
  • Besatzung 5 (Trupp in Friedenszeiten; erhöht durch PZ-Kanonen-Besatzungen im Krieg)
  • 1924 - Arsenal Lloyd Triestino, Triest
  • 1925 - Jakljan Dubrovnik Steamship, Dubrovnik
  • 1936 - Dubrovnik Boot, Dubrovnik
  • 1940/41 - Die Brüder Momcilovic, Dubrovnik
  • 1942 - Adria italienische Beute
  • 1944 - Untergang am 25.04.1944. in der Nähe von Senj (Bura)

 

Bisher konnte das tragische Schicksal dieses Schiffes aus den gesammelten Daten grob rekonstruiert werden. Während der italienischen Besatzung stieg eine kroatische Besatzung an Bord, angeführt von Commander Giovanni (Ivan) Ahel aus Draga und Maschineningenieur Daniel Marunic aus Kostrena.

Das Schiff wurde 1942 von den italienischen Behörden angefordert und in ADRIA umbenannt. Die kroatische Besatzung wurde während des Krieges durch Soldaten mit Flugabwehrgeschützen verstärkt. Nach der italienischen Kapitulation im Herbst 1943 kommt das Schiff in deutschen Häfen an und fuhr zur Beförderung von Material und Personen für die Bedürfnisse des deutschen (Todt)-Dienstes.

Im April 1944 machte das Schiff im Hafen von Senj fest, als der Kommandant am 25. April von den deutschen Behörden den Befehl erhielt, eine Gruppe von Soldaten von Senj nach Rijeka zu befördern. Obwohl in diesen Tagen starke Stürme auf See herrschten, ordneten die Deutschen trotz der Proteste der Kommandeure diese Reise an.

Kommandant Ahel wusste, dass die Ablehnung ein direktes Urteil und somit sofortige Hinrichtung bedeuten würde. Der Sturm war jedoch stärker als die Schiffsmaschine und drückte, durch Wind und Wellen, das Schiff an die Küste der Insel KRK in der Nähe von Mala Luka. Es ist nicht bekannt, was in den letzten Augenblicken des Schiffes und seiner Besatzung vor sich ging, aber der jetzige Liegeplatz des Schiffes legt nahe, dass es der letzte Versuch der Besatzung war, das Schiff vor Anker zu halten um nicht an das steile felsige Ufer zu treiben. Überraschenderweise hat der Anker gut auf dem sandigen Grund gehalten und das Schiff eine Weile in dieser Position gehalten. Wegen des niedrigen Freibords des Schiffes überströmten große Wellen den Bug und schlugen mit voller Kraft auf das Deck. Wir können davon ausgehen, dass sich mit der Zeit die Holzdeckel der Laderäume gelöst haben, die sich diese nun langsam mit dem überströmenden Wasser füllten. Das Schiff konnte bald nicht mehr über Wasser gehalten werden und versank. Leider hat, soweit bekannt, keiner der Besatzungsmitglieder und Soldaten diesen Seeunfall überlebt.

Dem bekannten Journalisten Danilo Prestint zufolge wurden bei JAKLJAN folgende Personen getötet:

 

Andrija Doričić (Anđelo), Köchin, Sušak,

Danijel Marunic, Kostrena,

Ante Linčić, Seemann, Kostrena,

Josip Matkovic (Bozidar), Lozac, Susak,

Joseph Ahel (Leon), Befehlshaber, Pula,

Nikola Cobanić (Mate), Loge Arbeiter, Sušak,

Ivan Dragicevic (Ivan), Susak,

Frane Lazaric (Frane), Seemann, Cres.

 

Ihre Leichen wurden nie gefunden. Die Deutschen haben nach dem Seeverkehrsunfall es, wegen des Krieges, den Familien nicht erlaubten, ihre Angehörigen zu suchen. Ihre Gräber sind leer geblieben und bis heute wurde kein Denkmal errichtet  Keine Gedenktafel erinnert an diese lange vergessene Tragödie.

Wir haben kürzlich auch Dr. Duhovic von der KBC Rijeka kontaktiert, dessen Großvater Nikola Momcilovic vor dem Krieg das JAKLJAN-Schiff besaß, und wir glauben, dass wir bald einige interessante Informationen finden werden.

Wir freuen uns immer noch, dass wir mit der Entdeckung dieses Wracks die tragischen Geschichte des Schiffes JAKLJAN endlich ein Ende gesetzt haben und an das traurige Schicksal seiner Besatzung erinnert werden.

Kroatischer Text und Foto: Daniel Frka, Gorgonia

Hier kann das Original in kroatischer Sprache nachgelesen werden. 

https://morski.hr/2018/05/05/misterij-i-tragedija-broda-jakljan-konacno-rasvijetljeni/?fbclid=IwAR3TfsYOZzlAN0cJk5OBAOreoUVyR72Fk4zM4kEBf1ZYA9NuquX6y-mkM6c

TAUCHPARADIES KROATIEN übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Übersetzung.