TAUCHPARADIES KROATIEN
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Tauchgang zur UC TIHANY

Position: Bucht von Kotor

Tauchen in der Bucht von Kotor/Montenegro

Ein Bericht aus dem Jahre 2008 von Mag. Herwig Strauss - Wrackforscher und leidenschaftlicher Taucher

Montenegro ist derzeit für uns Taucher noch ein ziemlich weißer Fleck auf der Landkarte. Man weiß zwar, dass vor dem ehemaligen Kriegshafen der k.u.k. Flotte eine ganze Anzahl von Schiffen ihr feuchtes Grab gefunden haben. 

Namen wie SMS Zenta, SMS Kaiser Franz Joseph I, Örtlichkeiten wie Kumbor, nach der Oliveninsel im Hafen von Pula einer der ersten Stützpunkte der noch jungen k.u.k. Marinefliegertruppe wecken insbesondere bei historisch Interessierten Erinnerungen an Gelesenes oder Gehörtes, aber wer hat dort schon einmal getaucht?

Nun, wir haben es versucht…..

Vorausgeschickt sei, dass Tauchen in Montenegro derzeit, d.h. im ersten Jahrzehnt des 3. Jahrtausends, noch Abenteuer ist. Die Basen sind mit Ausrüstung gesegnet, die selbst in Kroatien vor 15, 20 Jahren bereits ausgemustert worden wäre; Sauerstoff bringt man am besten selbst mit und Tauchcomputer sind Luxus. Als Tauchboote finden häufig altersschwache Ausflugsboote Verwendung, denen man kaum zutraut, mit all der schweren Ausrüstung und den Tauchern an Bord heil an die Tauchplätze zu kommen.

Wenn man bereit ist, das alles zu akzeptieren und sich unter die kundige Führung der örtlichen Tauchbasen zu begeben, dann wird man mit sensationeller Gastfreundschaft, kundigen Führern und tollen Tauchplätzen belohnt.

Wir hatten das österreichisch-ungarische Dampfschiff UC TIHANY als ersten Tauchgang auf unserem Programm. UC bedeutet „Ungaro-Croata“ und bezieht sich auf die Reederei, für die die TIHANY, die 1908 in Triest gebaut worden war, unterwegs war. Tauchern wird übrigens vor der Insel Unije in Norddalmatien ein Wrack gezeigt, das ebenfalls als „TIHANY“ bezeichnet wird. Diese Bezeichnung ist jedenfalls falsch, denn in der Tauchbasis „Neptun“ in Tivat befindet sich die Glocke der montenegriner „TIHANY“.

Das Wrack liegt auf komfortablen 45 Metern, und da es in Montenegro nur einige wenige Tauchbasen gibt, waren wir alleine dort. Gute Sicht und keine Strömung belohnten unsere Geduld, denn 2 Stunden braucht das ehemalige Ausflugsboot schon von seinem Heimathafen in Tivat bis an das Wrack, das nahe dem Ausgang der Bucht von Kotor liegt.

Dass dieses Gebiet bis vor kurzem noch militärisch überwacht war und strengstes Tauchverbot herrschte, das erkennt man unter anderem auch daran, dass an der „TIHANY“, die immerhin bereits am 22.2.1917 in einem Sturm gesunken ist, der Maschinentelegraph noch vorhanden ist. Das Steuerrad aus Holz ist zwar verrottet, aber seine Nabe ist ebenfalls noch deutlich erkennbar.  

Viele Details erfreuen das Auge des Photographen, große Gabeldorsche und Hummer haben ihr Versteck in dem Wrack gefunden. Bei einer Länge von 45m ist es möglich, sich in einem Tauchgang einen weitgehenden Überblick über das Wrack zu verschaffen. 

Viel zu schnell mahnt der Tauchcomputer zum Aufstieg, und nach einem ausgiebigen Sicherheitsstop wechselt man auf dem Tauchboot die Flasche und die Position.