TAUCHPARADIES KROATIEN
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Medusa

Die letzten Minuten an Bord der MEDUSA!

Der ohrenbetäubende Lärm der Explosion dröhnt noch im Rumpf, da schießt bereits das Wasser in den Torpedoraum. Ein letztes Flackern der Bordlampen und schon versinkt der Raum in vollständiger Dunkelheit. Tastend suchen einige Leichtverletzte den Schott, und mit letzter Kraft gegen das eindringende Wasser drückend gelingt es, diesen zu schließen. Der Torpedoraum ist nun vom Rumpf getrennt, und es gibt keine Chance mehr ins Freie zu gelangen.
Schwer atmend und blutverschmiert sitzen die Matrosen in der Dunkelheit und lauschen auf die kreischenden Geräusche von berstendem Metall. Die Medusa ist schwer getroffen, doch gab es bisher keine weiteren Explosionen. Mit nur einem Torpedotreffer gibt es immerhin eine kleine Hoffnung auf schnelle Rettung. Als der Torpedo einschlug, war die Medusa an der Oberfläche und nur wenige Seemeilen vom Hafen entfernt.
Außer dem Stöhnen der Verletzten, denen in der Dunkelheit und dem Chaos der Rohre und Leitungen nicht zu helfen ist, wird es immer ruhiger im Boot. Jeder versucht Luft zu sparen und möglichst flach, am liebsten gar nicht, zu atmen. Wie lange die Luft ausreicht, weiß niemand. In der Enge ist es zunächst kaum spürbar, aber nach wenigen Minuten ist es klar, die Medusa bekommt immer mehr Schräglage. Mit einem lauten Knall zerreißt der Rumpf, und der Druck auf den Ohren der Matrosen steigt schmerzhaft an. Ein untrügerisches Zeichen, dass dieser Abschnitt der Medusa versinkt.
In vollständiger Stille sinkt sie weiter und weiter. Nach einer Ewigkeit setzt die schwer beschädigte Rumpfnase ächzend auf dem Meeresgrund auf, und das Schicksal der Männer ist entschieden. Der Rumpf hält und bleibt dicht. Gefangen und mit nur minimaler Luftversorgung kommt es jetzt darauf an, Sauerstoff zu sparen. Die Retter werden einige Zeit brauchen, und ob sie die Männer rechtzeitig befreien können werden, ist mehr als fraglich. Der Hoffnungsschimmer stirbt mit zunehmend schwerer werdenden Atemzügen. Nach einer Ewigkeit, in der die Männer nur das Stöhnen der Sterbenden und Schraubengeräusche von kreuzenden Booten hören, ertönt plötzlich ein metallisches Klopfen. Morsezeichen !!! Taucher ???!!! Die Klopfzeichen werden beantwortet, und eine neue Hoffnung keimt auf...


So, oder ähnlich, wird sich die Tragödie abgespielt haben. 

Leider gelang es den Tauchern und Schiffen nicht, die Matrosen rechtzeitig zu befreien, bevor die Atemluft verbraucht war. Alle 14 Matrosen erstickten grausam. Direkt nach dem Treffer waren einige wenige Männer durch den gewaltigen Einschlag aus dem Turm geschleudert worden, von ihnen überlebte einer, der Rest der Matrosen ertrank.

Aber wie kam es überhaupt zu diesem Unglück?

Am Morgen des 30. Januar 1942 legte die Medusa  auf einen weiteren Lehrgang Richtung Kvarner Bucht ab. Neben der Besatzung waren an diesem Morgen auch 6 Lehrer sowie 21 Kadetten der U-Boot-Schule von Pula an Board. Gegen Mittag, als sich die Medusa am Kvarner in der Nähe des Kaps Kamenjakbefand, kam das britische U-Boot Thorn auf sie zugefahren, welches sich seit längerer Zeit in den Gewässern der Adria befand. Von da an ging alles sehr schnell:

14:00 UhrCdr. Norfolk, der Kommandant der Thorn, erblickt durch das Periskop die Medusa.
14:10 UhrDie Thorn ist in Position und schießt vier Torpedos auf die nur 700m entfernt fahrende Medusa ab.
14:11 UhrEnrico Bertarelli, der Kommandant der Medusa, der sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Turm befindet, gibt noch den Befehl zum Ausweichen. Drei Torpedos verfehlen das Ziel, aber einer trifft die Medusa knapp hinter dem Turm. Alle Besatzungsmitglieder, die im Turm waren, wurden ins Meer geschleudert.
14:12 UhrDie Thorn taucht ab und verlässt das Gebiet.
14:16 UhrDie Medusa beginnt, auf 14Grad55Min N und 13Grad46Minuten E, sieben Meilen südlich von Brijuni, zu sinken.


Die Nachricht über den Beschuss des U-Bootes verbreitete sich in Pula schnell. Eine Rettungsaktion wurde gestartet, die vom Kapitän der Fregatte Ginocchi, dem Befehlshaber der U-Boot-Schule, geleitet wurde. Vom Hafen machten sich schnelle Boote, die Torpedoboote Insidioso, Audace, Calatafimi und T3 sowie die U-Boote Mameli und Otaria auf den Weg zur Unglücksstelle. Bedingt durch das schnelle Sinken konnten jedoch nicht viele Besatzungsmitglieder gerettet werden. Insgesamt wurden 57 Männer getötet. Denn es waren deutlich mehr an Bord als unter Feindfahrt, wo die Besatzung nur 44 Männer zählte.

Quellennachweis:
Historische Bilder mit freundlicher Genehmigung aus dem Buch "Gli Squali DELL´ADRIATICO von Alessandro Turrini.
Zeichnung von P.Merkulov; Rechte zur Veröffentlichung by Norbert Roller

© Text- und Bildmaterial by Norbert Roller