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Der letzte Flug der "Fliegenden Festung"

Survivor Merrle Sieling, der mittlere Maschinengewehrschütze, erzählt seine Geschichte:

Es ist der 3. November 1944, als der B-17G-Bomber auf dem Militärflugplatz Amendola in Italien landet. Sie wird Teil des 340. Geschwaders sein, der 97. Gruppe der 15. amerikanischen Luftwaffe. Das glänzende Flugzeug gehört zur letzten Generation der B-17 und ist bereit für seinen ersten Einsatz. Das Flugzeug ist noch so neu, dass es außer dem amerikanischen Nationalzeichen keinen spezifischen Namen oder das Symbol des Geschwaders auf dem Rumpf trägt. Es bleibt keine Zeit, etwas anderes zu malen.

Am nächsten Tag findet ein Testflug statt, bei dem alles reibungslos abläuft, und am selben Tag erhält diese B-17 ihren ersten und leider auch ihren letzten Einsatz.

 

Mission in Wien

Am 6. November fliegt die B 17 mit 11 Besatzungsmitglieder von der Basis nach Wien, um die Stadt unter der Leitung von Lieutenant Irving G. Emerson zu bombardieren. An zweiter Stelle in 9 km Höhe fliegend, scheint die Stadt Wien wenig später von einer dichten Wolkendecke bedeckt und geschützt zu sein. Die Formation weicht von dem Reserveziel ab, um die jugoslawische Stadt Maribor zu zerstören. Da es in Maribor viele Eisenbahnknotenpunkte gibt, ist die Stadt mit Luftabwehrartillerie gut verteidigt.


Survivor Merrle Sieling, der mittlere Maschinengewehrschütze, erzählt seine Geschichte:  

"Nach einer Weile Flug zeigt der Pilot an, dass wir fast am Ziel sind, aber auch, dass die Eskorte zurückfällt und wir auf deutsche Jäger aufpassen müssen". In der Nähe des Ziels wird der dichte schwarze Rauch der Flakartillerie sichtbar. Unmittelbar nach dem Entladen der Bomben explodiert eine Granate unter dem Flugzeug. Das Hydrauliksystem ist getroffen worden, und die Luken des Bombenschachts funktionieren nicht mehr.

Nicht viel später beginnt das Flugzeug zu wackeln, und Triebwerk Nummer drei scheint zu brennen. Der ganze Rumpf füllt sich mit Rauch und das Feuer reicht über das Heck hinaus. Pilot Emerson gelang es, das Feuer zu löschen, und er brachte die Propellerblätter in eine gefiederte Position, um den Luftwiderstand zu verringern. Wieder explodiert eine Granate in der Nähe von Motor Nummer zwei.  "Eine Fontäne von Öl spritzt aus dem Motor, Emerson stoppt nun Motor zwei und versucht, ihn in eine stromlinienförmige Position zu bringen. Die Gruppe geht auseinander, weil sie befürchtet, dass wir explodieren werden".

Währenddessen fällt das linke Rad des Fahrwerks aufgrund des Ölaustritts in seine Position. Der Luftwiderstand wird erhöht und das Flugzeug beginnt an Höhe zu verlieren. Da nur noch zwei Triebwerke vorhanden sind, wird die Mission sofort auf eine möglichst baldige Landung auf sicherem Boden umgestellt. Die Schweiz ist die beste Option, aber ein Flug über die Alpen ist nicht mehr möglich. Deshalb bittet der Pilot um Erlaubnis, auf der geheimen Landebahn auf der Insel Vis in Jugoslawien, landen zu dürfen. Während des Kampfes wird Co-Pilot Ernest Vienneau verwundet. "Pilot Emerson ruft mich zur Hilfe. Ich kroch mit großer Mühe über die offene Bombenluke ins Cockpit und befreite den Co-Piloten aus seiner misslichen Lage. Leider ist er am Kopf getroffen worden, und ich kann nichts mehr für ihn tun".

 

Notlandung

Währenddessen stoppt der dritte Motor, Nummer vier, aufgrund von Treibstoffmangel. Von diesem Moment an wirft die Besatzung alles über Bord, um Gewicht zu sparen; Gewehre, Munition und Schutzwesten, alles außer den Funkgeräten. Als die Insel Vis in Sicht kommt und die B-17 sich auf das letzte zu landendem Triebwerk ausrichten will, schießt ein roter Signalpfeil in die Luft; das Zeichen, dass die Landebahn besetzt ist und sie auf die Landung warten müssen. Auf dem Zahnfleisch macht der schwere Bomber eine Kurve und in diesem Moment fällt das letzte Triebwerk wegen Treibstoffmangels aus. Nur mit dem Rauschen des Windes wird eine tödliche Stille geschaffen.

Sieling: "Ich will mich in der Funkkabine auf die Notlandung vorbereiten, aber wenn ich wieder über die Luke klettern will, hänge ich mich immer wieder mit dem Fallschirm ein. Ich drücke den 'Auslöseknopf' und springe aus dem Gurtzeug. Genau dann, wenn ich die Tür öffne, stoßen wir gegen eine Wasserwand und ich schlage darauf ein".

Die Landung ist relativ sanft, und sobald das Flugzeug zum Stillstand kommt, öffnet Sieling die Luke über ihm. Er kriecht heraus, genau wie der Rest der Besatzung. Einige von ihnen steigen in das Rettungsboot, während andere versuchen, schwimmend das Ufer zu erreichen. Nach etwa zehn Minuten sinkt die Nase des Bombers nach unten und beginnt den letzten Sturzflug, wobei der Körper des Kopiloten noch an Bord ist.

Fischer und britische Soldaten kommen zu Hilfe und bringen die Besatzung zum Flugplatz. Am nächsten Tag fliegen sie in einer reparierten B-17 zum Stützpunkt in Italien zurück.

 

FACTS  

Die Boeing B-17G ist eigentlich eine Kombination aus der B-17F und der YB-40. Die größte Verbesserung war die Aufrüstung in der Nase und im Kinn. Später wurden auch die Heckgeschütze verbessert, wodurch der Drehbereich wesentlich größer wurde. Insgesamt wurden 12.726 B-17 gebaut, von denen 8.680 vom Typ B-17G waren. Die Spannweite beträgt 31,6 Meter und der Rumpf ist 22,6 Meter lang. Mit den vier 1.200-PS-Motoren betrug die Höchstgeschwindigkeit 462 km/h und es wurde eine Reisegeschwindigkeit von fast 300 km/h erreicht. Neben dreizehn 50-Kaliber-Maschinengewehren gab es Platz für 2.724 kg Bomben.

Der Bericht wurde der Zeitschrift DUIKEN entnommen und aus dem holländischen übersetzt. 

Zum Original: https://duiken.nl/b-17-flying-fortress-bij-het-eiland-vis/