TAUCHPARADIES KROATIEN
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© by Jürgen Harrer

SS ALBANIEN

Wrackforscher berichten!

Mirko, vom MIRKO Diving Center berichtet

Die ALBANIEN wurde am 4. Juni 1916 um 05:50 Uhr in der Nähe der Insel Pag - 6 Nm nördlich von Novalja durch zwei Torpedotreffer versenkt.   

Die Torpedos wurden vom italienischen U-Boot "Atropo" unter der Führung von Kapitän Maraghini und Nazario Sauro als Einweiser abgefeuert. Zum Zeitpunkt des Untergangs lief das Schiff unter der Flagge der deutschen Kriegsmarine. Drei Mitglieder der Besatzung kamen bei diesem Angriff ums Leben. 

Das Wrack von "Albanien" steht auf schlammigen Grund in einer Tiefe von 72 Metern. Die Sicht ist meist gut. Die Kommandobrücke ist intakt. Ganz im Gegensatz zum Heck, das wahrscheinlich durch den Heckaufprall am Meeresbodens zerstört wurde und mit einer Schlammschicht und zahlreichen Austern- und Muschelschalen bedeckt ist. Das Wrack hat viele sichtbare Öffnungen und Abdeckungen an Deck. Beim Tauchen am Heck finden wir eine Abdeckung, die den Eintritt in das Heck ermöglicht, und zwei weitere kleine Abdeckungen, durch die man in den Kesselraum eindringen kann. 

Am Vorderschiff, direkt unterhalb der Kommandobrücke, befinden sich Zugangstreppen zu den unteren Ebenen, in denen sich die Mannschaftsunterkünfte befanden. Taucht man in diese Richtung weiter, trifft man auf eine Vorschiffabdeckung und eine weitere Treppe die nach unten führt. Das Eindringen in die Kabinen im Vorschiff gelingt durch eine kleine Abdeckung. Die zwei Masten am Vorschiff und am Heck stehen aufrecht. Die deutlich sichtbare Schiffsschraube ragt etwa zwei Drittel ihres Radius aus dem Schlamm hervor.

Auf der rechten hinteren Seite, bündig mit dem Meeresboden, befindet sich ein Loch das einer der Torpedotreffer in die Schiffswand riss und den Untergang verursacht hat. Durch dieses Loch kann man in das Heck eindringen. Das Innere des Hecks ist mit Sedimenten bedeckt. Durch die Risse in der Decke kann man die auf höherer Ebene des Schiffes befindliche Brücke erreichen. Die Brücke wurde vermutlich zur Unterbringung der Besatzung genutzt. Es wurden dahingehend im Inneren verschiedene Keramikgegenstände, Vasen und Nachttische gefunden. Um diesen Räume zu verlassen muss man wieder zum Heck zurückkehren und dieses durch die Heckabdeckung oder das, durch den Torpedoaufprall entstandene Loch, austreten.

Wenn man in Richtung Bug des Schiffes taucht, gelangt man zum Vorschiff und zum Zentralmast (die höchste Etage des Schiffes). Darüber befinden sich die Lüftungsschlitze des Kesselraums, von denen zwei offen sind. Hier ist es möglich jedoch schwierig den Kesselraum , der voll mit Sedimenten ist, zu betauchen.

Auf beiden Seiten der Aufbauten (in der Schiffsmitte) befinden sich die mit Sedimenten- und Austernschalen verstopfte Promenaden. Diese Schicht an Sedimenten ist etwa 180cm hoch und lassen nicht mehr als ca. 50 cm zum durchtauchen übrig. Auf der backbordseitigen (linken) Promenade ist auf ungefähr halber Strecke eine halbgeöffnete Tür. Dahinter verbirgt sich ein Laderaum in dem sich 15 Petroleumlampen und Laternen in verschiedenen Formen und Größen befinden. Am Ende der Promenade befindet sich ein großer Schiffsscheinwerfer, der vom Dach der Kommandobrücke gefallen ist und dessen Sockel nun nach oben zeigt. Der Scheinwerfer dürfte ungefähr 200-300 kg wiegen und Museumswert haben. 

Beide Promenaden enden in Richtung Vorschiff am Schott der Brücke. An dieser Stelle fehlt eine Fliese mit dem Namen der Werft. Diese dürfte vermutlich sehr Zeitnah entfernt worden sein. An dieser dieser Stelle ist ein rechteckiger Rostfleck zu sehen.

 Auf der Kommandobrücke sind keine Schiffsinstrumente zu sehen. Es ist anzunehmen dass durch den eingestürzten Boden aus den Verankerungen gerissen wurden und durch Sedimente bedeckt im Rumpf des Wracks liegen. Auch die Möglichkeit besteht, das diese seinerzeit abmontiert und entfernt wurden. Es sind jedoch keine Anzeichen von Montagearbeiten oder Verwüstung zu sehen. 

Einer der Korridore ist nach nur 3-4 Metern blockiert, während der andere passierbar ist und vermutlich in einem der Räume am Heck endete. Parallel zu den beiden großen Seitenfenstern gibt es eine Art Halle, in der verschiedene Gegenstände auf dem Boden verstreut liegen. Einige Gegenstände davon erinnern an Gepäck, während andere nicht wiederzuerkennen sind.

Wenn man durch die Führungsabdeckung eintritt und die Brücke hinabtaucht, gelangt man zu einem geräumigen Raum. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich um einen Frachtraum oder einen Raum für Passagiere handelt. Eine weitere Öffnung führt uns zu einem leeren Raum, der noch nicht im Detail erforscht wurde. Es wird sich mit ziemlicher Sicherheit um einen Frachtraum handeln.

Anmerkung: Neben dem nur drei Seemeilen entfernten Wrack "Euterpe" gehört die "Albanien" zur Gruppe der schönsten Wracks der Adria. Wer beide Wracks näher erkunden möchten sollte zumindest zwei Tauchgänge pro Wrack einplanen. 


Technische Daten:

  • Bezeichnung: ALBANIEN   ****
  • Baujahr: 1910
  • Schiffswerft: STT – Triest
  • Unternehmen: österreichischer Lloyd – Registerhafen: Triest
  • Rumpf: Eisen mit zwei Masten 
  • Abmessungen: Länge 66 m, Breite 9,7 m und Höhe 4,8 m
  • Leergewicht: 1122 t
  • Motor: 1350 Ks, Dreifachübertragung, 1 Propeller, 12 Knts
  • Besatzung: 28 Mitglieder